Ein Abend im Kino

Wie sehr habe ich mich darauf gefreut. Raus von daheim. Weg vom Kühlschrank. Ablenkung vom Essen. Ich mache nämlich Diät.

Denkste. Von wegen Ablenkung vom Essen. Schon am Eingang strömt mir der Duft von Popkorn vermischt mit Pommes und feurigem Salsadip in die Nase. Menschen bewaffnet mit Monsterkübeln von Popkorn machen sich auf den Weg in den Kinosaal. Mir wird ganz anders …

Nachdem wir unsere Plätze gefunden haben, schwant mir böses. Rechts neben uns zwei Jungs mit diversen Tüten, deren Inhalt ich nicht erahnen kann. Die Jungs zu unserer linken Seite stellen einen prall gefüllten Rucksack ab und vertiefen sich in den Genuss ihrer Pommes mit Ketchup. Vor uns zum Glück noch alles frei. Werbung beginnt. Um uns herum wird ununterbrochen gekraspelt. Geraschelt. Geschmatzt. Ge… war das gerade ein Bäuerchen? Haben die Menschen alle kein Dach über den Kopf, wo sie essen können?

Endlich beginnt der Hauptfilm. Im Dunkeln kommen die Monsterkübel mit Popkorn auf uns zu. Getragen von hochgeschossenen dünnen Jungs. Verständlich, dass die solche Portionen zum Überleben benötigen. Schreck lass nach: sie setzen sich direkt vor uns hin.

Links neben uns sind die Jungs mit ihren Pommes fertig und kruschen schon die ganze Zeit im prall gefüllten Rucksack umeinander. Man fördert verschiedene Tüten Chips zutage und verteilt sie. Dann versuchen sie, die Tüten dezent … also leise zu öffnen. Habt ihr schon mal versucht, eine Chipstüte leise zu öffnen? Das ist ungefähr so, wie wenn man versucht, ein Pflaster ganz langsam von der Haut zu ziehen.

Chips duften. Riechen. Köstlichst. Der Knabe sitzt ja so nahe neben mir. Er hält die Tüte sogar in meine Richtung. Eigentlich könnte ich in die Tüte langen … nur einmal. So ein kleines Chips‘chen kann doch gar nicht viele Kalorien haben. Der Gedanke fasziniert mich. Wenn ich jetzt in die Tüte greife, packt er sie bestimmt weg. Dann hätte ich Ruhe. Soll ich oder soll ich nicht?

Bevor ich meine Chance ergreifen kann, steht der Chipsjunge neben mir auf. Tritt mir auf die Zehen und rennt Richtung „für kleine Jungs“. Chipsjungen benötigen viel zu trinken. Ziehen sich vermutlich gerade eine feurige Sorte rein.

Rechts neben uns kruschelt es auch wieder. Es wird eine Gummibärchentüte vorsichtig geöffnet. Gummibärchen scheinen stark parfümiert zu sein. Ich habe sie 3 Sitzplätze weiter noch gerochen. Mein Magen hängt schon durch. Bis zur Gummibärchentüte reicht mein Arm nicht. Der Chipsjunge neben mir nimmt wieder Platz und futtert genüsslich weiter. Er hält die Tüte jetzt in die andere Richtung. Ob er meinen gierigen Blick und sabbernden Mundwinkel etwa mitbekommen hat?

Bitte fragt mich nichts über den Film. Ich war so abgelenkt die ganze Zeit … und ich habe mir vorgenommen: Beim nächsten Kinobesuch nehme ich meine laute Schnapp-auf-und-schnapp-zu-Tupperdose mit. Gefüllt mit Karotten, Radieschen und Sellerie. Nicht, weil ich die so sehr mag. Nein. Aber sie sind wenigstens laut beim Essen und so kann ich mich der Geräuschkulisse im Kino annährend anpassen.

Den Film kauf ich mir, sobald er auf BluRay erscheint und guck ihn mir gemütlich auf der Couch an.

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